Die Dinge fügen sich

 In Wissenswertes

7:30 Uhr

Mein morgendlicher Rundgang durch die Firma führt mich in die Hygieneschleuse. Kittel, Haarschutz, Hände waschen, desinfizieren.
Wie den Vorhang einer Theaterbühne teile ich die Schutzlamellen, um die Bühne der Produktion zu betreten.

Dennoch bin ich hier nur als Zuschauer. Das Stück spielen meine Kollegen.

Die Atmosphäre ist von maschinellem Brummen geprägt. Hier und da zischt es, als würde jemand Luft aus einem Reifen lassen.

Alles normal. Das sagen mir auch die beiläufigen Gespräche, die ich zwar von hier aus nicht hören, aber beobachten kann.

Als ich zum ersten Mal hier war, dachte ich, die Kollegen wären unaufmerksam. Dass das einzig und allein an meiner beschränkten Perspektive lag, wurde mir schnell klar.

Ein jedes Augenpaar hat jederzeit jeden Teil der Produktion im Blick. Alles eine Frage der Übung.

Ich begebe mich in Richtung gegenüberliegende Seite der Halle, um guten Morgen zu sagen.

Plötzlich lässt ein lauter Ruf sämtliche Geräusche verstummen.

„STOOOOP!“

Alles hält unmittelbar an. 2 Kollegen verlassen ihren Platz und machen sich kurz an der Linie zu schaffen. Einer tippt etwas auf dem Anlagen-Display. Dann geht es weiter.

Wahnsinn. Wäre ich eine Minute später gekommen, hätte ich von all dem nichts mitbekommen.

Und das führt mich direkt zum Thema. Einige Abläufe sind offensichtlich, doch was passiert unter der Oberfläche?

Genau darum soll es heute gehen.

Die Produktion.

Woraus besteht sie?

Was tun wir, damit sie funktioniert?

Im zweiten Beitrag dieser Post-Reihe habe ich bereits angesprochen, dass am Anfang jeder Produktion die Bereitstellung der Ware steht.

Die zu managen ist ebenso wichtig wie einfach.

Sie wird anhand von Artikelnummern und Chargen durchgeführt und auf 3 Dinge geprüft:

  1. Steht die richtige Ware für die Produktion bereit?
  2. Ist jeder Artikel in Ordnung und kann verwendet werden?
  3. Kann Schmutzeintrag in die Produktion durch die Paletten ausgeschlossen werden?

Über 95% unserer Produkte sind Bio. Das macht die Prüfung der Rohware recht einfach, weil die EU-Richtlinien für ökologischen Landbau erfüllt sein müssen. Dennoch liegt es vielen unserer Kunden am Herzen, importierte Rohware noch einmal hier in Deutschland zu testen.

Parallel zur Bereitstellung geht es der Produktionshalle an den Kragen.

Im vorherigen Beitrag habe ich bereits etwas über die Reinigung und ihren Umfang geschrieben.

Deswegen sei hier nur kurz angemerkt, dass die Reinigung einer Abfüllanlage laut Protokoll (und Björn) bis zu 1.5 Stunden dauert. Ganz schön gründlich.

Nach der Reinigung bauen wir natürlich alles wieder zusammen. Mit der Schöpfkelle jedes Glas einzeln abzufüllen wäre zwar möglich, aber so viel Zeit haben wir einfach nicht. Vermutlich würde dann auch die Hälfte daneben gehen, also nutzen wir unsere Maschinen.

Am Anfang der Kette steht unsere Abfüllmaschine. Abhängig vom Produkt nutzen wir hier die jeweils passende. Die auf dem folgenden Bild ist unser Allrounder und kann quasi alles abfüllen.

Unermüdlich senken sich die Füllrohre immer wieder in die Gläser, um diese für ihre weitere Reise vorzubereiten.

Unser nächster Kandidat auf der Liste, unser Deckel-Verschließer, erfordert zum Glück nicht ganz so viel Aufwand. Außerhalb der regelmäßigen Wartungen prüfen wir vor jeder Produktion, ob der konforme Verschluss der Gebinde gewährleistet ist.

Ein kurzes „Plopp“ begleitet ihn bei seiner Arbeit, zusammen mit dem blechernen Klirren der nachrückenden Deckel, sobald ein Glas verschlossen wurde.

Rechts unten sieht man ein Glas vorbeiflitzen, hinten links im Bild kann man die nachrückenden Deckel erkennen.

Nun folgt die wohl einfachste Apparatur: der Etikettenspender. Ist das Wartungsprotokoll in Ordnung, reicht ein kurzer Test mit einem Behältnis, ob er so funktioniert, wie er es soll. Hier findet übrigens auch der MHD-Druck statt, der das letzte Glied in der Produktionskette ist.

Am Ende der Linie prüfen die Kollegen aus der Produktion dann ein letztes Mal die Qualität der Fertigware. Die ist neben den optischen Bewertungskriterien hauptsächlich kundenabhängig. Wenn sie den vorgegebenen und eigenen Ansprüchen genügt, wird sie verpackt und dem Palettenschema entsprechend auf der Palette angeordnet, von wo aus sie dann die Produktion verlässt.

So wird aus vielen großen und kleinen Teilen ein ganzes. Was bei uns noch passiert, nachdem die Fertigware die Produktion verlässt, erfahrt Ihr dann im nächsten und voraussichtlich letzten Teil von „Goodbye Global Market Foods – CFS goes IFS 6.1″.

Mission Zukunft. Wir gehen voraus, bist Du dabei?

Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig!

Beste Grüße

Christian

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